Bethe-Stiftung fördert medienpädagogisches Projekt

„Alles hip?“ –
Entwicklung und Durchführung eines medienpädagogischen Präventionsansatzes gegen sexuellen Missbrauch von Mädchen und Jungen

EigenSinn e.V. freut sich über die zweijährige Förderung der Bethe-Stiftung zu dem o.g Projkettitel!
Zur Zeit erarbeiten wir im Rahmen des Projektes ein Konzept für medienpädagogische Workshops für Mädchen und Jungen.

 

Zum Hintergrund des Projektvorhabens:

In der Öffentlichkeit wird unter Schlagzeilen wie „sexuelle Verwahrlosung“ oder „Voll Porno“ (z.B. STERN 6/2007) auf Entwicklungen der Jugendkultur hingewiesen, die von Eltern und pädagogischen Fachkräften weitestgehend unbemerkt entstanden sind. Gemeint sind unterschiedliche Phänomene: Übernahme von Symbolen und Styling aus der Pornobranche, häufiger Pornokonsum von Heranwachsenden und das Nachahmen der dargestellten Sexualpraktiken, Konsum von sexistischem und gewaltverherrlichendem Hiphop, Aufzeichnung von sexuellen (Gewalt-) Handlungen per Handy („Happy Slapping“) sowie deren Veröffentlichung im Internet, Kontaktaufnahme Jugendlicher zu Gleichaltrigen im Chat zwecks Anbahnung von „Blind Dates“ mit dem Ziel sexueller Ausbeutung.

Laut der „JIM-Studie 2006“ berichtet ein Drittel der 12 bis 13jährigen und ca. die Hälfte der 14 bis 15jährigen von unangenehmen Kontakten/sexuellen Belästigungen im Chat. Die derzeit vorliegenden Forschungsergebnisse zum Pornokonsum Jugendlicher stammen aus dem Ausland. Danach sahen ca. zwei Drittel der Jungen und ein Drittel der Mädchen im Alter von 14 bis 17 Jahren regelmäßig pornografisches Filmmaterial (Dänemark 2004). Die jüngst veröffentlichte Studie der American Psychological Association zur Sexualisierung von Mädchen kommt zu dem Schluss, dass die durch Mode, (Musik)Videoclips, Spielzeug und Medien vorangetriebene Sexualisierung negative Auswirkungen auf die kognitiven Funktionen, die körperliche und seelische Gesundheit sowie die sexuelle Entwicklung hat (USA 2007). (...)

Insgesamt wird deutlich, dass die bisherigen Konzepte der Prävention von sexualisierter Gewalt nicht ausreichen, um den beschriebenen Phänomenen adäquat zu begegnen. Diese Phänomene werden vor allem auf die Übernahme medienvermittelter Geschlechtsrollenbilder und von Idolen präsentierter Verhaltensmuster zurückgeführt (vgl. Heiliger 2005).Da Medien wie Internet und Handy Bestandteil der Alltagskultur von Kindern und Jugendlichen sind und zukunftsweisende Kommunikationsmittel mit spezifischen Vor- und Nachteilen darstellen, müssen präventive pädagogische Maßnahmen auf mehreren Ebenen ansetzen:

•  Mädchen und Jungen sollen sich geschlechtsbewusst und kritisch mit medienvermittelten Idealen sowie mit Rollenvorgaben auseinandersetzen.

•  Mädchen und Jungen müssen Medienkompetenz vermittelt bekommen und über sexualisierte Gewalt in den Neuen Medien aufgeklärt werden.

•  Bezugspersonen der Heranwachsenden müssen hinsichtlich der o.g. Phänomene informiert und medienpädagogisch geschult werden.

•  Multiplikatorinnen und Multiplikatoren müssen über die o.g. Thematik informiert werden und Handlungskompetenzen für den pädagogischen Alltag erwerben.

Das Ziel des vorliegenden Projektvorhabens ist, die o.g. Ebenen in der Entwicklung und Durchführung eines medienpädagogischen Präventionsansatzes gegen sexuellen Missbrauch von Mädchen und Jungen zusammen zu führen. Die Besonderheit liegt hierbei in der Kombination von medienpädagogischen und präventiven Ansätzen des Kinder- und Jugendschutzes. Der Schwerpunkt wird in medialer Hinsicht auf Internet- und Chatnutzung gelegt.

Für weitere Informationen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung. Kontakt

Mädchen Locke    Junge Rolli
© EigenSinn e.V. 19.02.2008