Prävention von sexualisierter Gewalt im heilpädagogischen Arbeitsfeld

Mit Informations- und Fortbildungsveranstaltungen leisten wir fachliche Hilfe für MultiplikatorInnen, pädagogische Fachkräfte und Auszubildende in heilpädagogischen Arbeitsfeldern.

Eltern von Mädchen und Jungen mit Behinderung bieten wir in unseren Veranstaltungen Informationen zum Thema sexualisierte Gewalt und Möglichkeiten einer stärkenden, präventiven Erziehung ihres Kindes.

Erst in den letzten Jahren wird die Problematik von sexualisierter Gewalt an Menschen mit Behinderung intensiver thematisiert. Der internationale Forschungsstand belegt durchgängig eine höhere Betroffenheit als bei nicht behinderten Menschen. Es liegen Ergebnisse vor, dass mehr als 50% der Mädchen und Jungen mit Behinderung im Kindes - und Jugendalter sexuelle Gewalterfahrungen machen. Die Betroffenheitsrate von erwachsenen Menschen mit Behinderung wird auf der Grundlage vorliegender Untersuchungen ähnlich hoch eingeschätzt.

Die Ursachen für diese hohen Zahlen sind vielfältig. Menschen mit Behinderung befinden sich in einem hohen sozialen Macht- und Abhängigkeitsverhältnis, das leicht von potentiellen Tätern ausgenutzt werden kann. Die Entwicklung eines positiven Selbstwertgefühls ist problematisch, da der eigene Körper oftmals als defizitär erlebt wird. Darüber hinaus wird es Menschen mit Behinderung erschwert ein sicheres Gespürs für eigene Grenzen zu entwickeln, denn notwendige Pflegehandlungen, sowie ärztliche und therapeutische, manchmal auch schmerzhafte Behandlungen gehören oft zu ihrer Alltagsrealität.

Hinzu kommt, das Mädchen und Jungen mit Behinderung selten in ausreichenden Maße über Sexualität aufgeklärt werden. Informationen über sexuelle Gewalt fehlen oft ganz. Die Möglichkeit sich mitzuteilen und Hilfe zu bekommen wird oftmals zusätzlich durch kommunikative Barrieren, eine hohe soziale Isolation und eine zu geringe Zahl von spezialisierten Beratungsstellen eingeschränkt.

Die Notwendigkeit präventiver Arbeit für und mit Menschen mit Behinderung ist offensichtlich.

Die Ziele präventiver Erziehung, müssen sich hierbei an deren Lebensrealität orientieren und ihre Sozialisationsbedingungen berücksichtigen. Die Stärkung der Gesamtpersönlichkeit, die Unterstützung bei der Entwicklung eines positiven Selbstwertgefühls, das Erkennen und Benennen eigener Grenzen und die Förderung höchstmöglicher Selbstbestimmung sind einige dieser Ziele.

Präventive Erziehung unterscheidet sich damit, wenn auch nicht in den Grundzügen, so doch im Detail und in der Umsetzung, von der Prävention mit nicht behinderten Menschen. Die Sensibilisierung von Eltern und Fachkräften für dieses Thema ist ein wichtiges Anliegen unserer präventiven Arbeit.

Mädchen Locke    Junge Rolli
© EigenSinn e.V. 05.05.2007